MIDI-Interface an RS-232 anschliessen
(Status 30. Oktober 2005)

Serielle PC-Schnittstellen und MIDI-Interfaces wurden für unterschiedliche Anwendungsbereiche entwickelt. So kann es nicht verwundern, dass die bekannten Steuerprogramme für MIDI beziehungsweise RS-232 recht unterschiedliche Features aufweisen. Die MIDI-Geräte von Cinetix werden schwerpunktmässig für steuerungstechnische Anwendungen eingesetzt. Gerade Tests und Optimierungen von solchen Projekten sind häufig nur sehr beschwerlich mit MIDI-Steuerprogrammen durchführbar. Unsere MIDI-Geräte können sowohl mit MIDI-Kanalnachrichten als auch im ASCII Textformat gesteuert werden.

Zum Anschluss eines MIDI-Geräts an eine RS-232 Schnittstelle gibt es 2 Möglichkeiten:
--- entweder kann die MIDI-Schnittstelle im Gerät auf eine Standard-PC Baudrate umgestellt werden
--- oder man braucht im PC eine mit MIDI-Baudrate arbeitende RS-232 Schnittstelle.

Um die unterschiedlichen Steckertypen anzupassen braucht man in beiden Fällen ein Adapterkabel. Das hier beschriebene Adapterkabel funktioniert zuverlässig nur mit MIDI-Schnittstellen von Cinetix. Die MIDI-Schnittstellen der meisten anderen Fabrikate haben eine andere Schaltungstechnik, mit der eine sichere Funktion nicht immer gewährleistet ist.

Das Kabel kann man sich relativ einfach selber herstellen. Dazu braucht man:
      einen 9-poligen "weiblichen" SubD Buchseneinsatz und eine Griff-Haube dazu
      zwei Widerstände 1 Kiloohm, 0,25 Watt
      zwei MIDI Stecker (5-polige DIN Buchsen 180 Grad)
      ca. 1 bis 6 Meter einadrige abgeschirmte Nf-Leitung

Das Nf-Kabel wird in 2 gleichlange Strippen geteilt. An jeweils beiden Enden wird die Abschirmung ca. 1,5 cm sorgfältig vom Innenleiter getrennt, zusammengedrillt und mit einem Lötkolben verzinnt. Dabei darf die Abschirmung nicht zu heiss werden, weil sonst der Innenleiter durchschmilzt.


Vor dem Anlöten der DIN-Stecker nicht vergessen, die Griffhaube auf das Kabel zu stecken, hinterher ist das nicht möglich!

Der SubD Buchseneinsatz wird folgendermassen vorbereitet: ein Widerstand wird mit kurz abgeschnittenem Draht an Pin 3 gelötet, der andere Widerstand wird mit kurz abgeschnittenen Drähten zwischen Pin 2 und Pin 5 gelötet, wobei er natürlich keinen Kontakt zu Pin 3 und dem ersten Widerstand haben darf.

Bei dem DIN-Stecker, der zur MIDI IN Buchse führen soll, wird der Innenleiter des Nf-Kabels an Pin 4 gelötet. Die Abschirmung des Kabels wird an Pin 5 gelötet. Das andere Ende dieses Kabels wird folgendermassen an den SubD Buchseneinsatz gelötet: Innenleiter an den freien, ebenfalls kurz abgeschnittenen Draht des an Pin 3 gelöteten Widerstands, Abschirmung an Pin 5.

Der Innenleiter des noch unbenutzten Nf-Kabels wird an Pin2 gelötet, die Abschirmung ebenfalls an Pin 5. Das andere Ende dieses Kabels wird wie folgt angelötet an den DIN-Stecker, der zur MIDI OUT Buchse führen soll: Innenleiter an Pin 4, Abschirmung an Pin 2. Obwohl für die MIDI-Datenübertragung wichtig, wird Pin 5 hier nicht angeschlossen.

Im Schaltplan sind ausserdem noch 2 Drahtbrücken zwischen Pin 7 und 8 sowie zwischen Pin 4 und 6 eingezeichnet. Diese simulieren dem PC ein Hardware-Handshake, das manche Programme zur Bedienung der seriellen Schnittstelle erwarten. In den meisten Fällen kann aber auf diese Drahtbrücken verzichtet werden.
Nach einem erfolgreichen Funktionstest werden die Hauben auf alle Stecker montiert.

Statt der 9-poligen SubD Buchse kann auch eine 25 polige SubD Buchse verwendet werden. Dann müssen die Anschlüsse von Pin 2 und Pin 3 vertauscht werden. Masse liegt dann an Pin 7 statt an Pin 5. Die Drahtbrücken müssen ggf. ebenfalls anders eingelötet werden: von Pin 4 nach Pin 5 und von Pin 6 nach Pin 20

Verlängerung des Kabels: Jedes der MIDI-Kabel als auch das serielle Kabel darf maximal um 3 Meter verlängert werden. Wenn es bei 115200 Baud Übertragungsprobleme gibt, sollte auf 19200 bzw. 38400 Baud umgeschaltet werden.


Wenn das MIDI-Interface nicht auf serielle Standardbaudraten umschaltbar ist, kann man eine RS-232 Karte umbauen:
Dazu wird auf einer seriellen Schnittstellenkarte den Quarz durch einen anderen ersetzt, dessen Frequenz möglichst genau 13/16 des Originalquarzes beträgt. Wenn diese Schnittstelle auf dem PC für 38400 Baud konfiguriert wird, dann sendet und empfängt der Port genau mit MIDI Baudrate 31250 Bit/s (Fehler 0,2%, was innerhalb der zulässigen Toleranz liegt).
Verschiedene MIDI-Synthesizer haben einen alternativen Steuereingang mit 38400 Baud. Dazu bieten manche Herstellerfirmen MIDI-Treiber an, die effektiv eine serielle Schnittstelle mit 38400 Baud ansteuern.

Diesen Tip habe ich ursprünglich gefunden auf der Webseite "http://home.concepts-ict.nl/~nctnico/midi/ser_midi.txt". Die dort beschriebene Schnittstellenkarte mit 18,432 MHz Quarz gab es nirgendwo zu kaufen. Ersatzweise haben wir mit Erfolg auf einer Schnittstellenkarte den original 14,7456 MHz Quarz durch einen 12,00 MHz Quarz ersetzt. (PCI-Karte Fabrikat "Digitus", gekauft im September bei KM Elektronik).
Bei Conrad Elektronik gab es zu der Zeit RS-232 Karten mit 22,1184 MHz Quarz, diesen müsste man ersetzen durch einen 18,00 MHz Quarz. Wichtig ist aber, dass der Original- und der ausgetauschte Quarz beide auf Grundwelle schwingen. Darauf kann man sich bei handelsüblichen Quarzen nur bis ca. 20 MHz verlassen.


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